Die Arche Regenbogen in Tübingen Mähringen

Die Arche Regenbogen bietet Kindern ein Zuhause, die intensivpflegebedürftig und beatmungspflichtig sind, wenn für diese eine Pflege im eigenen Zuhause nicht möglich ist. Hier erfahren die Kinder optimale Förderung und werden liebevoll von einem engagierten Team von ausgebildeten Schwestern gepflegt. Ein Snoezelen-Raum zum Entspannen und Lauschen oder ein Therapiehund aber auch die zeitlich entspannte Pflege der Schwestern und verschiedenen Therapeuten sind Beispiele der kreativen und liebevollen Zuwendung, die die Kinder hier erfahren dürfen. Um diese Angebot so aufrecht zu erhalten ist die Arche auch auf Spenden angewiesen. Die Arche Regenbogen ist am Staffellauf mit einem Stand vertreten, hier können sie sich auch gerne direkt informieren und spenden. Die an diesem Tag gespendeten Beträge werden von der NLX-Gruppe gerne in Aktion umgesetzt. Info über die Arche Regenbogen: www.arche-regenbogen.de


100 km Staffellauf um den Pokal der Universität Tübingen

Die 24. ste Auflage des 100 km Staffellaufes war heiß wie nie – nicht nur das Wetter, sondern auch die Duelle auf der Laufstrecke. Insgesamt 50 Teams stellten sich den Strapazen.

Der Staffellauf ist ein Event, bei dem sich das gesamte Spektrum der Jogger, Lauftreff´ler, Gelegenheitsläufer, Fitness-Freaks und Bewegungsbegeisterten trifft. Zehn Läufer, darunter mindestens zwei Frauen, bilden jeweils eine Mannschaft. Paarweise wird pro Runde ein Kilometer absolviert. In vier Stunden und zehn Minuten sollen so 100 km durchlaufen werden. Der Lauf, bei dem es vor allem um Teamgeist und Spaß geht, hat sich in den letzten 20 Jahren zu einem festen Termin im Laufkalender vieler Mannschaften entwickelt und ist nicht nur bei Studierenden und Universitätsbediensteten ein beliebtes Event. In diesem Jahr gingen die „Kampfspermien“ mit den „Herzrasern“ auf die Strecke. Der „Waldkindergarten Kleine Wiesel“ mussten sich den „Winkel Wiesel´s“ und den „GSS Wiesels“ geschlagen geben. Die „Running Elks“ liefen den „Running Bones“ und den „Running Stones“ hinterher. Das Regierungspräsidium Tübingen zog vor der freiwilligen Feuerwehr in die Zielgerade ein. Aber das spannendste Duell lieferten sich der spätere Sieger „Team Glück Engeneering“ und das „Team Roy Sports 1“. Erst drei Runden vor Schluss zog das Team um den ehemaligen 3000m Europameister Kim Bauermeister den Läufern und Läuferinnen von Roy Sports aus Ludwigsburg davon. Der Streckenrekord wurde nicht gebrochen, aber mit 2:57, 52 min zählt die Siegerzeit zu den schnellsten der vergangenen Jahre. Der Rekord steht noch aus dem Jahre 1999, wo die Bleikugeln (ein Team der Sportmedizin Tübingen) exakt 2:48, 47 min für die 100 km benötigten.

Während die Läuferinnen und Läufer Ihre Runden absolvierten, sorgten 100 Helfer für einen reibungslosen Ablauf hinter den Kulissen. Auf der Laufstrecke wachten Wolfgang Amann und Helmut Helten mit ihrem Team von der Post SV Tübingen darüber, dass niemand eine Abkürzung nahm. Die Wettkampfverpflegung arbeitete unter der Leitung von Dr. Günter Frey (Institut für Sportwissenschaft) auf Hochtouren und schnitten mehrere Kilo Äpfel und Bananen oder mixten die isotonischen Getränke für die pausierenden Läufer an. Wer müde Beine hatte, konnte sich diese durch Iris Kummetz (Praxis Meridian) und den Schülerinnen der Physiotherapeutenschule Tübingen wieder fit massieren lassen. Aber auch die Zuschauer kamen auf ihre Kosten. Sie konnten bei Kaffee und Kuchen oder bei einer roten Wurst und Kaltgetränken das Geschehen beobachten. Einzig der Arzt blieb arbeitslos, was auf eine gute Vorbereitung der Teams schließen lies. Hektisch wurde es im Wettkampfbüro, als die Mannschaften nach und nach ins Ziel einliefen. Da mussten die Urkunden gedruckt werden, damit kurz nach Zielschluss gleich mit der Siegerehrung begonnen werden konnte. Pünktlich um 18:45 Uhr hielt die Siegermannschaft den Pokal der Universität in den Händen, überreicht von Prof. Dr. Ansgar Thiel (Institut für Sportwissenschaft). Er schüttelte zusammen mit Christine Vollmer (Stadt Tübingen) über 300 Hände, bis alle 50 Mannschaften ihre Urkunden und Preise bekommen hatten.

Die Hauptverantwortlichen, Ingrid Arzberger (Leiterin Hochschulsport) und Michael Belz, konnten am Ende ein durchweg positives Fazit ziehen. Keine Verletzten, kein Regen, entspannte Atmosphäre und ein klasse Helferteam. Wer gerne dieses einmalige Teamereignis selber miterleben will. Wer einmal an seine Grenzen gehen möchte. Wer einmal in seiner Studienzeit sagen will „ich war dabei“, der sollte sich den nächsten Termin des 100 km Staffellaufes fest in den Kalender eintragen: 23. Juni 2012!


Warum sollten Läufer ein Core Training durchführen?

Betrachtet man die Probleme, die bei Läufern auftreten können, ist es naheliegend, ein Ausgleichstraining durchzuführen. Diese Erkenntnis ist nicht neu und es wurden in der Vergangenheit viele Empfehlungen hierzu veröffentlicht. So gelten Rückenschmerzen, bspw. LWS-Beschwerden (vgl. Mayer et al., 2001; Baur et al. 2002) als ein weit verbreitetes Phänomen bei Läufern, aber auch weitere Belastungen, die auf das Laufen zurück geführt werden können, sind bekannt. „Die Zunahme an Laufsportlern hat in den vergangenen Jahren zu einem Anstieg von typischen, belastungsabhängigen Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparats geführt. Derzeit wird eine Verletzungsrate bei Läufern von circa 30 Prozent angenommen. Art und äußere Umstände während der Belastung führen zu laufspezifischen Verletzungen“ (Mayer et al. 2001). Eine Studie von Sato und Mokha (2009) kam zum Ergebnis, dass eine mangelnde Rumpfstabilität zu schlechteren Leistungen bei Läufern führt. Leistungseinbußen bei 5.000m Läufern wurden mit höherem Energieverbrauch der rumpfstabilisierenden Muskulatur erklärt. Durch ein 6-wöchiges Core Training konnten bei dieser Zielgruppe Leistungsverbesserungen gegenüber der Kontrollgruppe festgestellt werden.

In der Prävention der Belastungsbeschwerden hat sich, neben einer Optimierung von Schuhen und Einlagen, ein funktionelles, propriozeptives Training bewährt. Heutzutage wird im Zusammenhang mit dem propriozeptiven Training meist auch das Core Training genannt. Zwischen beiden Methoden gibt es zahlreiche Gemeinsamkeiten, etwa das Training der Körperwahrnehmung, Körperhaltung, Gelenkstabilität, Verletzungsprophylaxe, Kräftigung und Gleichgewichtsschulung, also die Stärkung der Körpermitte unter Berücksichtigung der tiefer liegenden Muskeln (Core) sowie die Stabilisierung der Gelenke (vgl. Hammes, Rühl, Laubach & Sutor, 2011). Die seit der Fußball WM 2006 in Deutschland diskutierte Methode des Core Performance von Marc Verstegen geht noch ein Stück weiter und verspricht auf typisch amerikanische Art und Weise eine Steigerung der Lebensqualität, der Lebensdauer und eine Maximierung des Erfolgs. Das Konzept Core Performance, der Vollständigkeit halber, ist in die sogenannten Super Sieben unterteilt: (1) Movement Preps (aktives warm-up), (2) Prehabs (Verletzungsprophylaxe), (3) Physioball-Training (Hüft-, Core- und Schulterkräftigung), (4) Elastizität, (5) Krafttraining, (6) Entwicklung des Energiesystems (Cardio Training) und (7) Regeneration (vgl. Verstegen, 2009).

Betrachtet man nun die haltungsstabilisierenden Inhalte des Core Trainings, lassen sich für Läuferinnen und Läufer folgende Empfehlungen aussprechen:

1.    Übungen zur Wiederherstellung von Bewegungssymmetrien

2.    Übungen zur Förderung von Gleichgewicht und Mobilität

3.    Übungen zur Verbesserung der (Rumpf)Stabilität

4.    Übungen zur Verbesserung der Mobilität

5.    Übungen zur Kräftigung der Beine/Beinachse

6.    Übungen zur Verbesserung der Koordination und Stabilität der Beine und Hüfte

7.    Übungen zur Verbesserung der Bewegungsmuster
(vgl. Lindner, 2011)

 

 

 

Übungsvorschläge für Läuferinnen und Läufer

Für Unterwegs oder zu Hause

1.    Ausfallschritt mit Drehung
Aus dem parallelen Stand machen Sie einen Ausfallschritt mit dem linken Bein (Knie nicht über Fußspitze!). Bilden Sie ein leichtes Hohlkreuz und drehen Sie Rumpf und Schultern nach links, der annähernd gestreckte rechte Arm zieht den Oberkörper nach links hinten oben. Stoßen Sie sich aus dieser Position in den nächsten Ausfallschritt.

2.    Einbeinige Kniebeuge
Im parallelen Stand führen Sie ein Knie vorhoch, während Sie das andere Knie beugen. Das gebeugte Knie darf nicht über die Fußspitze zeigen. Aus dieser Position strecken Sie das Bein bis in den Zehenstand. Nach 3-4 Kniebeugen das Bein wechseln.

3.    Beinrückheben
Einbeinstand auf rechtem Bein ausbalancieren, dann Hüfte beugen und linkes Bein rückheben. Wenn Sie es schaffen, greifen Sie mit der linken Hand an den rechten Fuß und spannen Sie dabei das Gesäß an. Wenn diese Position zu instabil ist, beide Hände seitlich ausstrecken. Der Körper bildet von Kopf bis Fuß eine Linie.

4.    Dehnung aus der Sumo-Hocke
Im schulterbreiten Stand mit leicht ausgedrehten Füßen beugen Sie die Hüfte und greifen an die Fußspitzen. Gehen Sie jetzt in die Hocke bis die Hüfte zwischen den Füßen ist und richten Sie die Brust auf. Während Sie jetzt die Beine strecken, versuchen Sie weiterhin die Zehen festzuhalten.

Zu Hause

5.    Seitlicher Unterarmstütz
Sie liegen mit dem Unterarm auf dem Boden in Seitlage, der Ellenbogen befindet sich unter der Schulter. Heben Sie den Oberkörper so, dass nur noch Unterarm und Füße den Boden berühren und achten Sie dabei auf eine gestreckte Hüfte (Körper ist gerade von Kopf bis Fuß). Heben Sie nun das obere Bein ab. Wem diese Übung zu einfach ist, der streckt den oberen Arm über den Kopf oder zieht das untere Bein bis zur Brust, um es dort zu halten.

6.    Liegestütz auf ABS Powerball
In der Ausgangsposition werden die Hände seitlich auf den ABS Powerball gestützt (Fingerspitzen zeigen in Richtung Boden), die Füße (Zehen) stehen auf dem Boden. In dieser Position Liegestützen durchführen. Alternativ, wenn kein Ball vorhanden ist, auf einer zusammengerollten Matte oder einem Balance-Pad die Liegestützen durchführen.

7.    Russian Twist
Legen Sie sich mit dem Oberkörper rückwärts auf den ABS Powerball, so dass sich dieser zwischen den Schulterblättern befindet. Die Arme werden nach oben gestreckt, die Handinnenflächen berühren sich dabei. Halten Sie die Hüfte oben und drehen Sie die Schulter so zur Seite, dass die Hände zur Seite zeigen (Sie liegen nun nur noch mit einer Schulter auf dem Ball). Die Hüfte wird dabei nicht mit gedreht (Gesäß anspannen).

8.    Knie-Beuger
Gehen Sie in die Liegestütz-Position und legen Sie die Schienbeine auf den ABS Powerball (die Schulter befindet sich über den Handgelenken). Ziehen Sie die Knie zur Brust, so dass nur noch die Fußspitzen den Ball berühren. Abwechselnd vor und zurückführen. Zur Steigerung können Sie dies einbeinig durchführen.

9.    Beinheben
Legen Sie sich mit der Hüfte vorwärts auf den ABS Powerball, Hände und Füße berühren den Boden. Heben Sie nun die Beine, bis der Körper eine gerade Linie bildet. Zur Steigerung können Sie gegengleich die Beine heben und senken.

 

Baur et al. (2002). Zur Wirkung von Einlagen und Physiotherapie. Orthopädieschuhtechnik, 10, 50-53.

Hammes, A., Rühl, J., Laubach, V. & Sutor, V. (2011). Core und Stability. Grundlagenbuch sensomotorisches Training. Frankfurt: Deutscher Turner-Bund.

 

Lindner, J. (2011). Sieben notwendige Übungen für Läufer ( und solche, die es werden wollen). Zugriff am 19. Mai 2011 unter http://www.aktiv-training.de/download/2011/03_02.02.2011/Uebungen_Laeufer.pdf

Mayer et al. (2001). Verletzungen und Beschwerden im Laufsport. Dt. Ärzteblatt, 98 (19), 1254-1259.

Sato K, Mokha M. (2009). Does core strength training influence running kinetics, lower-extremity stability, and 5000-m performance in runners? J Strength Cond Res, 23, (1), 133-140.

Verstegen, M. (2009). Core Perfomance. München: Riva.

 

 

Sven Lange

Fachkoordinator für Fitness- und Gesundheitssport

im Institut für Sportwissenschaft

 

 

Auf die Plätze, fertig, los!

 

Endlich ist es wieder soweit: Für rund 500 Läuferinnen und Läufer geht es nach dem Startschuss am heutigen Samstag um 14:00 Uhr zum insgesamt zweiundzwanzigsten Mal in Teams à 10 Läufer(innen) über insgesamt 100 Kilometer um die Plätze im schon traditionellen Staffelrennen des Hochschulsports der Universität Tübingen. Dabei steht bei diesem Staffellauf auf einer Rundstrecke von einem Kilometer auf dem Gelände des Sportinstituts nicht nur der Wettkampf im Vordergrund: Jeder kann mitmachen! Neben schwer ambitionierten Läufertreffs schnüren auch Betriebsmannschaften und Teams, die „just for fun“ kompetieren,  ihre Laufschuhe für dieses einmalige Event, denn Teamgeist wird bei dieser Form von Laufbewerb großgeschrieben und das gemeinsame Erlebnis ist ein zentraler Punkt des 100km-Staffellaufs. Dennoch muss jeder was leisten, es läuft sich schließlich nicht von alleine! Damit zwischen den einzelnen Laufrunden eine möglichst gute Regeneration möglich ist, steht das Team des Tübinger Hochschulsports um seine Leiterin und OK-Chefin Ingrid Arzberger den Läufer(innen) wieder mit reichlich „Men-Power“ zur Seite.

Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass nicht wie im letzten Jahr sinnflutartige Regenfälle dem Organisationsteam in letzter Minute einen Strich durch die Rechnung machen – 2009 musste im Oktober ein Ersatztermin für die Austragung des Staffellaufs herhalten. Doch gehen wir einfach mal davon aus, dass in Petrus ein Läuferherz schlägt und er sein Nötiges für einen erfolgreichen 100km-Staffellauf 2010 beiträgt.

 

Allen Läuferinnen und Läufern eine schöne, erfolgreiche und vor allem verletzungsfreie Laufveranstaltung auf dem Institutsgelände – wir freuen uns, dass ihr hier seid und eure Laufbegeisterung mit uns auslebt!

 

Justus Wolf, Sportreferat

 

***Spendenaufruf für die Robert-Enke- Stiftung***

* Im Gedenken an unsere Kommilitonin Jana Bürgelt *

Wir, die Fachschaft Sportwissenschaft, sind eine Gruppe von Freiwilligen, die die Interessen der Studierenden in der Fakultäts- und Institutspolitik vertreten. Wir setzen uns für Anliegen der Studierenden ein und sind Ansprechpartner. Im Namen aller Sportstudierenden wollen wir durch die Spendenaktion für die Robert- Enke- Stiftung im Rahmen des 100km -Staffellaufs ein Zeichen setzen.

Zum einen soll sie an den tragischen Tod unserer Kommilitonin Jana Bürgelt vor wenigen Wochen erinnern, die immer eine begeisterte Läuferin und Sportlerin gewesen ist. Nur wenige Menschen wussten, dass hinter ihrer netten Art und ihrem strahlenden Lächeln die tückische Krankheit „Depression“ schwelte, die schließlich ihr Leben zerstörte. Die meisten kannten sie als eine lächelnde, erfolgreiche, engagierte Studentin. Daher möchten wir aufmerksam machen auf die Krankheit „Depression“, die im Alltag an der Universität und im Sport weiter verbreitet ist, als uns bewusst ist. Unser Aufruf soll sie ins Bewusstsein rufen und durch die Spende einen Beitrag für ihre Bekämpfung leisten.

Die Robert- Enke- Stiftung wurde nach dem Selbstmord des Fußballtorhüters Robert Enke vom Deutschen Fußball-Bund (DFB), dem Ligaverband (Die Liga- Fußballverband e.V.) und dem Bundesligisten Hannover 96 in Zusammenarbeit mit Theresa Enke ins Leben gerufen. Robert Enke litt nach dem Tod seiner Tochter jahrelang an Depressionen, bis sie ihm am Ende sogar den Gedanken raubten, wie sehr er das Leben liebte. Zweck der Stiftung ist die Förderung von Maßnahmen und Einrichtungen, die der Aufklärung über die Krankheit Depression bzw. Kinder-Herzkrankheiten und/oder der Erforschung oder Behandlung dieser Krankheiten dienen.

Die Spendenkasse befindet sich bei der Ausgabe der Startnummern.

Wir bedanken uns für ihre Spende.

Chronik: 100km-Staffellauf um den Pokal der Universität Tübingen

Hochschulsportleiter Kurt Schittenhelm hatte sich anlässlich der 150-Jahr-Feier des Instituts für Sportwissenschaft im Jahr 1989 etwas ganz besonderes einfallen lassen: Einen 150-Kilometer-Lauf in Form eines Paar- und Staffel- Rennens; für jedes Jahr also einen Kilometer. Mit dem 150-Kilometer-Lauf endeten 1989 die Jubiläumsfeierlichkeiten am Tübinger Institut für Sportwissenschaft - für den heute traditionellen 100-Kilometer-Staffellauf um den Pokal der Universität Tübingen war es die Geburtsstunde. Damals gab es noch zwei Wertungsgruppen. Die Wettkampfsportler, deren Mannschaft aus fünf Läufern bestand, darunter mindestens eine Frau. Diese mussten 150 Runden jeweils einzeln laufend als Stafette zurücklegen. Nach 9 Stunden und 43 Minuten, kurz vor Mitternacht kamen unter Leuchtraketen und Suchscheinwerfern die Läufer und Läuferinnen des "Hirning-Teams" im Bereich Wettkampfsport als Erste ins Ziel. Während die andere Wertungsgruppe - die Breitensportler - Mannschaften mit je 10 Läufern und Läuferinnen bildeten (mind. zwei Frauen) und paarweise 75 Runden absolvierten. Kurt Schittenhelms Intention war es, die Universität für die Sportvereine zu öffnen sowie den Frauen-, Freizeit- und Leistungssport zu integrieren. Der Staffellauf sollte dazu beitragen, Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Sportgebieten vom Behindertensport bis zum Leistungssport aufzubauen. Individuelles Leistungsvermögen und partnerschaftliches Miteinander sind dabei gefragt, denn der Mannschaftsgedanke soll immer im Mittelpunkt stehen. In unermüdlicher Kleinarbeit hat Kurt Schittenhelm und im Anschluss Ingrid Arzberger, Michael Belz, Wolfgang Amann und Helmut Helten diese Veranstaltung von bescheidenen Anfängen zu ihrer heutigen Form fortentwickelt. Den Zuschauern bietet sich Jahr für Jahr ein buntes Bild: viele Frauen, jüngere und ältere Läufer, gute und nicht ganz so gute Läufer - gesetzte Jogger neben spindeldürren Athleten, lachende Läufer neben verbissenen Wettkämpfern.

Die Idee und die einmalige Atmosphäre sind der Grund, warum die Meldeliste jedes Jahr immer länger wird. 1993 beteiligten sich rund 69 Teams am 100-Kilometer-Staffellauf. 1994 gingen gar die Startnummern und Startkarten aus, weil 800 Läufer sich angemeldet hatten.. 1997 waren es sogar rund 850 Teilnehmer und jedes Mal hieß es: "Die Kapazitäten sind erschöpft!" Inzwischen hat sich die Meldeliste auf 75 Mannschaften eingependelt. Ein Kraftakt für das Organisationsteam: Zahlreiche Helferinnen und Helfer sorgen in eingespielten Teams für perfekte Rahmenbedingungen, ob an der Strecke, bei der EDV-Anlage, auf dem Sprecherpodest oder bei der Verpflegung der Wettkämpfer. In jedem Jahr entkernen die fleißigen Helfer rund zwei Zentner Äpfel, schneiden sechs Zentner Bananen wurden und schenken 1 500 Liter Getränke aus. Für die mitgereisten Fans gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm inklusive Kinderbetreuung.


Gendoping beim 100 km Staffellauf?
Was ist das besondere an unserem Projekt zur Entwicklung eines Tests auf Gendoping in Tübingen?

Ihr habt vielleicht in den letzten Wochen erfahren, dass es dem Kölner Dopingkontrolllabor erstmals gelungen ist ein Testverfahren auf Gendoping zu entwickeln und Ihr habt Euch womöglich gefragt, wozu wir denn jetzt eigentlich in Tübingen auch noch ein Verfahren entwickeln und ob Eure Blutspende von damals „umsonst“ war. In diesen Punkten können wir Euch beruhigen. Das Kölner Verfahren weist lediglich eine körperfremde, harngängige Substanz (GW 1516) mittels Routineverfahren der klassischen Laboranalytik nach. In Fachkreisen ist etwas umstritten, ob diese körperfremde Substanz den Gendoping-Mitteln zuzuordnen ist, da durch Ihre Einnahme die Erbsubstanz des Menschen nicht verändert wird. Dennoch kann der Kölner Nachweis als ein erster schöner Erfolg betrachtet werden. Nach wie vor ungelöst ist das Problem, wie man denn Gendoping, bei dem man außenmenschliche Erbsubstanz in die Zellen eines Sportlers einschleust, nachweisen kann. Bei dieser eigentlichen Form des Gendopings wird die Erbsubstanz tatsächlich bleibend verändert und zwar z.B. dahingehend, dass der Körper danach in die Lage versetzt wird, etwas mehr EPO oder Wachstumshormon zu bilden. Nach erfolgter genetischer Manipulation am Sportler werden diese Hormone im Körper des Sportlers selber gebildet und sind somit 100% körperidentisch und prinzipiell nicht nachweisbar. Alles, was man zum Einschleusen dieses Erbsubstanz benötigt, sind Substanzen und organische Materialien, wie beispielsweise Viren, die auch gesunde Menschen des öftern befallen und auf die man für einen Nachweis von Gendoping deshalb nicht Erfolg versprechend abstellen kann. Hätten wir Euch beispielsweise auf das vorliegen der typischen viralen Bausteine getestet, die zum Einschleusen von Genen benötigt werden, wären sicher einige von Euch falsch positiv in diesem Test als „Gendoper“ erkannt worden. Unser Tübinger Test hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, die von außen eingebrachte menschliche Erbsubstanz, die den leistungssteigernden Effekt bewirken soll, direkt nachzuweisen. Bislang ist uns das in Blutproben, die mit wenigen Molekülen der Gendoping-Erbsubstanz versetzt wurden, gelungen. Auch im Blut von Tieren und im Blut eines Menschen, an dem eine genetische Veränderungen zum Zweck der Heilung einer schweren Krankheit durchgeführt wurde, ist uns ein Nachweis der genetischen Veränderung mit Hilfe unseres Tests sogar noch Wochen bis mehrere Monate nach der genetischen Manipulation gelungen. Eine kritische Frage, die der Test beim 100km-Staffellauf jetzt noch klären musste, war, ob denn bei Proben, die bei einem großen Sportereignis abgenommen wurden, auch mal so genannte „falsch positive Fälle“ auftreten können.

Sprich: Wir sind davon ausgegangen, dass Ihr Euch nicht genetisch habt verändern lassen, oder selber Gendoping an Euch praktiziert habt und dürfen davon ausgehen, dass wenn wir einen positiven Befund bei Euch fänden, der wohl darauf zurückzuführen ist, dass unser Verfahren „Gespenster misst“. Eure Proben waren alle negativ in einem Test auf Gendoping mit EPO, Wachstumshormon, oder Gefäßwachstumsfaktor aber… der 100km-Staffellauf ließ Eure freie Erbsubstanz im Blut rund 10-fach ansteigen!

In der Aufarbeitung Eurer Proben für den Test auf Gendoping mit EPO, Wachstumshormon, oder Gefäßwachstumsfaktor fiel uns zunächst einmal auf, dass die Menge an freier Erbsubstanz im Blut nach dem Wettkampf fast 10-fach höher war als vor dem Wettkampf (Abb.1). Erbsubstanz gehört eigentlich in die Zellen und schwimmt nicht einfach frei im Blut herum. Findet man Erbsubstanz frei im Blut, so muss diese irgendwann einmal von Zellen Eures Körpers freigesetzt worden sein. Dieses wiederum bedeutet in der Regel den Tod der Zelle, die diese Erbsubstanz freisetzt. Wo kommt jetzt die Erbsubstanz her, die Ihr während des Staffellaufs an Euer Blut abgegeben habt? Das ist eine interessante Frage, der wir jetzt in weiteren Untersuchungen nachgehen werden. Zunächst einmal können wir Euch aber beruhigen: Bevor wir nicht wissen, ob das ganze für Sportler relevant und interessant ist, werden wir Euch nicht um weitere Blutproben bitten! Wir haben dann die gesamte Erbsubstanz aus den über 200 Proben analysiert, die wir von Euch erhalten haben. Wichtig und erwartet war für uns, dass unser Verfahren Euch auf alle Gendopingvarianten, für die wir einen Nachweis entwickelt haben, tatsächlich negativ getestet hat. Unser Test weist allerdings nur darauf hin, dass sich in Eurem Blut keine Gendoping-Erbsubstanz des EPOs, Wachstumshormons, oder auch keine von zwei Gefäßwachstumsfaktoren befand. Wir können durch unseren Test nicht ausschließen, dass nicht jemand EPO oder Wachstumshormon direkt und somit als Protein und nicht als Erbsubstanz genommen hat. Hierfür müsste man konventionelle Tests auf diese Substanzen durchführen. Froh waren wir, dass auch die zahlreichen am Test und Staffellauf teilnehmenden Biologen und Biochemiker, die des Öfteren mit nicht-natürlichen Erbsubstanzsequenzen arbeiten, alle negative Blutprobenergebnisse aufwiesen. Wie geht es weiter mit dem Tübinger Verfahren?

Die Ergebnisse sind somit sehr viel versprechend und Ihr könnt damit rechnen, dass wir noch dieses Jahr, spätestens aber nächstes Jahr diese Ergebnisse international präsentieren. Die Welt Anti-Doping Agentur hat uns nicht zuletzt, weil sie mit unseren Ergebnissen sehr zufrieden ist, noch einmal die Förderung bis 2011 verlängert. Über die Homepage der Sportmedizin in Tübingen und Mainz werden wir ebenfalls Ergebnisse präsentieren, wenn wir die nächsten entscheidenden Hürden Richtung Anwendung nehmen. Euch wünschen wir vor allem einen gelungenen 100km-Staffellauf 2009! Lasst Euch den Spaß am Sport nicht durch das Thema Doping vermiesen! Nochmals Danke! Euer Team aus dem molekularbiologischen Labor der Sportmedizin in Tübingen

Für den Inhalt
Prof. Dr.med Dr.rer.nat. Perikles Simon
Leiter der Abteilung für Sportmedizin, Prävention und Rehabilitation Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Für die Organisation
Jens Hudemann
Abteilung für Sportmedizin Medizinische Klinik Universitätsklinikum Tübingen


Kurt Schittenhelm
Erfinder und Organisator des 100km-Staffellaufs
von Monika Mix

Kurt Schittenhelm, der am 8. Dezember 1995 im Alter von 54 Jahren an den Folgen eines Gehirntumors verstorben ist, hat sich als Hochschul-sportleiter der Universität Tübingen und als Erfinder des 100-Kilometer-Staffellaufs Anerkennung und Ruhm verschafft. Seine Ideen und Projekte haben viele mitgerissen und begeistert. Was er auch anpackte, Kurt Schittenhelm war mit Leib und Seele bei der Sache.

Kurt Schittenhelm, der am 12. Januar 1941 im Sudetenland geboren wurde, arbeitete nach der Schule als Techniker bei Daimler in Stuttgart, ehe er in München Sport studierte. 1974 fing er als Sportlehrer am Tübinger Sportinstitut an. Dort war er bald bei seiner auch noch heute beliebten Fitnessgymnastik von "Massen" umgeben. Hunderte schwitzten und bewegten sich nach seinen An¬weisungen. 1989 wurde er dann zum Leiter des Hochschulsports an der Universität Tübingen ernannt. Mit unermüdlichem Eifer versuchte er, den Studierenden Sport und Bewegung nahe zu bringen. Sport sollte Spaß machen und dies vermittelte Kurt Schittenhelm seinen Teilnehmern.

Kurt


10 Jahre 100-Kilometer-Staffellauf ...
von Monika Mix …
oder 966,5 Kilometer, wenn man allein die zurückgelegte Strecke der neun Siegermannschaften addiert.

Die "krumme" Kilometerzahl ergibt sich, weil 1989 bei der Premiere den Organisatoren ein kleiner Fehler unterlaufen ist - ein kleiner Fehler in Höhe von genau 110 Metern. Denn die tapfere Läufer- und Läuferinnenschar, die sich damals von Finnen-bahn zu Tartanbahn am Tübinger Institut für Sportwissenschaft die Beine abwetzte, rannte pro Runde nicht etwa 1 000 Meter, sondern genau 1 110 Meter. Macht also - 1 110 mal 150 - exakt 166,5 Kilometer; geplant waren aber eigentlich "nur" 150 Kilometer.

Die Idee zu diesem Staffellauf hatte Kurt Schittenhelm. Als Hochschulsport-leiter der Uni Tübingen hat er sich anläßlich der 150-Jahr-Feier des Sport-instituts im Jahr 1989 etwas ganz besonderes einfallen lassen: einen 150-Kilometer-Lauf in Form eines Paar- und Staffellrennens; für jedes Jahr also einen Kilometer. Kurz vor Mitternacht endete dieses bis heute bundesweit einmalige Sport-spektakel. Nach 9 Stunden und 43 Minuten liefen unter Leuchtraketen und Suchscheinwerfern die Läufer und Läuferinnen des "Hirning-Teams" im Be-reich Wettkampfsport als Erste ins Ziel. Damals gab es nämlich noch zwei Wertungsgruppen. Die Wettkampfsportler, deren Mannschaft aus fünf Läufern bestand darunter mindestens eine Frau. 150 Runden mußten die Cracks - jeweils als einzeln laufende Stafette - zu¬rücklegen. Während die andere Wertungsgruppe, die Breitensportler, Mann¬schaften mit je 10 Läufern bildeten; darunter mindestens zwei Frauen. Sie hatten paarweise 75 Runden zu absolvieren. Mit dem 150-Kilometer-Lauf endeten 1989 die Jubiläumsfeierlichkeiten am Tübinger Sportinstitut - für den heute traditionellen 100-Kilometer-Staffellauf um den Pokal der Universität Tübingen war es die Geburtsstunde.

Kurt Schittenhelms Intention war es, die Uni für die Sportvereine zu öffnen sowie den Frauen-, Freizeit- und Leistungssport zu integrieren. Dieser Staffellauf sollte dazu beitragen, Gemeinsamkeiten zwischen den verschie-denen Sportgebieten vom Behindertensport bis zum Leistungssport aufzu-bauen. Individuelles Leistungsvermögen und partnerschaftliches Miteinander sind dabei gefragt, denn der Mannschaftsgedanke soll immer im Mittelpunkt stehen. In unermüdlicher Kleinarbeit hat Kurt Schittenhelm diese Veranstaltung von bescheidenen Anfängen zu ihrer heutigen Form fortentwickelt. Die ersten sechs Staffelläufe um den Pokal der Universität Tübingen hat er federführend mit Leib und Seele organisiert und geleitet. Bereits am 8. Dezember 1995 ist er im Alter von 54 Jahren an den Folgen eines Gehirntumors verstorben. Seitdem wird die Veranstaltung von dem Organisationsteam des Tübinger Sportinstituts in der von Anfang an bewährten und gewachsenen engen Zu-sammenarbeit mit dem Württembergischen Leichtathletikverband und den Leichtathletik treibenden Vereinen und Vereinsabteilungen aus Tübingen in seinem Sinne fortgeführt.

Den Zuschauern bietet sich Jahr für Jahr ein buntes Bild: viele Frauen, jüngere und ältere Läufer, gute und nicht ganz so gute Läufer - gesetzte Jogger neben spindeldürren Athleten, lachende Läufer neben verbissenen Wett-kämpfern. Angefangen hat es 1989 mit rund 245 Teilnehmern - getrennt nach Wett-kampfsportlern und Breitensportlern. Seit 1991 laufen alle miteinander, denn das Siegen steht bei dieser Veranstaltung nicht an oberster Stelle, schließ-lich werden die Sachpreise unter allen teilnehmenden Mannschaften verlost. Es gibt also nur Gewinner. Die Idee und die einmalige Atmosphäre sind der Grund, warum Jahr um Jahr die Meldeliste immer länger wird. 1993 meldeten sich rund 690 Teilnehmer zum 100-Kilometer-Staffellauf an. "Mehr geht nicht", meinte schon damals Kurt Schittenhelm. Doch - 1994 gingen sogar die Startnummern und Start-karten aus. 800 wollten damals mitmachen. 1997 waren es sogar rund 850 Teilnehmer und jedes Mal hieß es: "Die Kapazitäten sind erschöpft!" 1998, zum 10jährigen Jubiläum wird sicherlich die Tausender Marke erreicht. Ein Kraftakt für das Organistionsteam: Zahlreiche Helferinnen und Helfer sorgen in eingespielten Teams für perfekte Rahmenbedingungen, ob an der Strecke, bei der EDV-Anlage, auf dem Sprecherpodest oder bei der Verpfle¬gung der Wettkämpfer. 1996 entkernten die fleißigen Helfer beispielsweise zwei Zentner Äpfel, sechs Zentner Bananen wurden geschnitten und 1 500 Liter Getränke ausgeschenkt. Für die mitgereisten Fans gibt es auch noch ein umfangreiches Rahmenprogramm inklusive Kinderbetreuung. Der 100-Kilomerter-Staffellauf hat sich somit zu der bedeutendsten Großver-anstaltung des Tübinger Sportinstituts entwickelt. Weiter so!!!


1989 oder wie alles begann....
20 Jahre 100-Kilometer-Staffellauf... es ist an der Zeit zurück zu blicken

Im Jahr 1989 fand der erste 100–Kilometer-Staffellauf in Tübingen statt. Denken viele, aber das stimmt leider nicht so ganz. 150 Kilometer nahmen die ersten 245 Läufer im Sommer 1989 in Angriff, oder 1966,5 Kilometer, wenn man allein die zurückgelegte Strecke der Siegermannschaften der vergangenen 19 Jahre addiert. Warum diese gerundete Zahl, mag man sich fragen? Die "krumme" Kilometerzahl ergabt sich, weil 1989 bei der Premiere den Organisatoren ein kleiner Fehler unterlaufen ist - ein Fehler in Höhe von genau 110 Metern. Denn die tapfere Läufer- und Läuferinnenschar, die sich damals von Finnbahn zu Tartanbahn am Tübinger Institut für Sportwissenschaft die Beine abwetzte, rannte pro Runde nicht etwa 1000 Meter, sondern genau 1110 Meter. Macht also - 1110 mal 150 - exakt 166,5 Kilometer; geplant waren aber eigentlich "nur" 150 Kilometer.

Die Idee zu diesem Staffellauf hatte Kurt Schittenhelm. Als Hochschulsportleiter der Uni Tübingen hat er sich anläßlich der 150-Jahr-Feier des Instituts für Sportwissenschaft (IfS) im Jahr 1989 etwas ganz besonderes einfallen lassen: einen 150-Kilometer-Lauf in Form eines Paar- und Staffellrennens; für jedes Jahr einen Kilometer. Nach 9 Stunden und 43 Minuten, kurz vor Mitternacht, liefen unter Leuchtraketen und Suchscheinwerfern die LäuferInnen des "Hirning-Teams" im Bereich Wettkampfsport als Erste ins Ziel. Damals gab es nämlich noch zwei Wertungsgruppen. Die Wettkampfsportler, deren Mannschaft aus fünf Läufern bestand, darunter mindestens eine Frau. 150 Runden mußten die Cracks - jeweils einzeln laufend als Stafette - zurücklegen, während die andere Wertungsgruppe, "die Breitensportler", Mannschaften mit je 10 Läufern bildeten; darunter mindestens zwei Frauen. Sie hatten paarweise 75 Runden zu absolvieren. Mit dem 150-Kilometer-Lauf endeten 1989 die Jubiläumsfeierlichkeiten am IfS - für den heute traditionellen 100-Kilometer-Staffellauf um den Pokal der Universität Tübingen war es die Geburtsstunde.

2008 - Staffellaufteams erzählen... Um 18:40 heisst es Zielschluss, der 100 Kilometer Staffellauf ist zu Ende. Schweißgeruch wird sich mit dem Duft von Massageöl vermischen, T-Shirts werden an ausgepumpten Körpern kleben und viele glückliche Läufer werden zu sehen sein. „Waden schmerzen – Augen leuchten“ titelte das Schwäbische Tagblatt anlässlich des 10- jährigen Jubiläums im Jahr 1998. Eine treffende Schlagzeile, wie wir meinen. Doch bis dahin ist es ein weiter Weg: Fast 1000 Teilnehmer werden die Finnbahn und die Stadionsrunde des IfS leiden lassen. Nicht vergessen darf man: auch die ehrenamtlichen Helfer vollziehen Höchstleistungen. Über 100 werden es wieder gewesen sein, die 400 Kilo Bananen, 400 Kilo Äpfel, 500 Liter Elektrolytgetränke, 500 Liter Tee und Unmengen an Wasser verteilt, auf Massagebänken müde Läuferbeine bearbeitet oder schon im Vorfeld rund um die Uhr am „Organisieren“ waren. Was macht nun den Reiz dieser Veranstaltung aus? Wir haben Staffellaufteams gefragt, die zum ersten Mal teilnehmen und alte Hasen die schon einige Staffelläufe erlebt haben. So ist für das „Robert Duncan Syndicat“ der Team-Spirit, die geile Stimmung, welche zusätzlich durch den Stadionsprecher in unvermutete Höhen getrieben wird, jedes Jahr wieder eine neue Motivation. Dass man bei nur einem einzigen Wettkampf zehn Mal ans Limit gehen und zehn Mal den inneren Schweinehund „besiegen“ kann, treibt sie zusätzlich an. Wer das "Robert Duncan Syndicat" kennenlernen möchte, auf Seite 35 sind sie zu sehen. Erneut dabei sind auch die "Prävis". Für sie ist der Staffellauf ein schönes Event, bei dem auch Nicht-Hochleistungssportler teilnehmen können. Nach einem tollen, erfolgreichen und außerdem genussvollen Wettkampf spekulieren sie auf das Losglück, um bei der Tombola wieder ein Mannschaftsessen zu gewinnen. Premiere feiert das Team der Stadtverwaltung Tübingen, unter dem Namen "Die Stadtverwaltung läuft". Sie sehen den Staffellauf als eine Laufveranstaltung mit besonderem Flair und gehen mit dem Motto: "GEMEINSAM geht es leichter" an den Start. Mit ihrem Slogan "Tübingen macht Blau" sind sie auf Seite 39 zu sehen.


Neue Erkenntnisse in der Laufschuhforschung

 Der Laufsport hat in den vergangenen Jahren zunehmend an Popularität gewonnen. Neben dem Leistungssport gewinnen vor allem die Volksläufe international und national an Bedeutung. Waren es Mitte der 70er Jahre vor allem Männer, die sich von diesem Trend haben mitreißen lassen, so überträgt sich die Laufsportbegeisterung in den letzten Jahren auch zunehmend auf die Frauen. Das Laufmagazin Runners World veröffentlichte Zahlen, wonach beim New York City Marathon im Jahre 1978 769 Frauen das Ziel erreichten. Im Jahre 1998 lag diese Zahl bereits bei 8952 weiblichen „Finishern“. Auch die Laufschuhindustrie hat diesen Trend erkannt und bietet zahlreiche Laufschuhe für Frauen an. Doch welchen Kriterien muss solch ein spezifischer Frauenlaufschuh gerecht werden? Dieser Frage wurde im Rahmen einer mehrjährigen Studie in der Biomechanikabteilung der Sportmedizin Tübingen nachgegangen. Die Untersuchung richtete den Fokus auf unterschiedliche Bereiche der klinischen und biomechanischen Forschung. Neben einer orthopädischen Diagnostik, der Beurteilung der Achs- und Beweglichkeitsverhältnisse der unteren Extremität und der Erfassung verschiedener Trainingsparameter wurde die Laufbewegung beim Joggen mit einem Mehrkamerasystem im dreidimensionalen Raum analysiert. Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung lag auf der Beurteilung der Fußform. Hierfür wurden die Füße von mehr als 900 Frauen und Männer mit einem dreidimensionalen Scanner vermessen. Fasst man die Ergebnisse zusammen, so haben Läuferinnen im Vergleich zu Läufern klinisch ein vermehrtes Maß an ligamentärer Laxität, muskulärer Flexibilität und ein größeres Bewegungsausmaß in den Gelenken. In der Laufbewegung beugen Frauen Hüfte, Knie und Sprunggelenke mehr als Männer. Erst beim Abdruck vom Boden gleichen sich die Winkelverläufe der zwei Gruppen wieder an. Auch in anderen Bewegungsebenen gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede. Läuferinnen weisen eine zum Teil signifikant größere Adduktion im Hüftgelenk auf. In der Dynamik heißt dies, dass das Becken des Spielbeines stärker absinkt. Im unteren Sprunggelenk zeigen die Läuferinnen tendenziell eine größere Eversion, statistisch konnte diese aufgrund der großen Streuweite der Daten nicht gesichert werden. Bei der Auswertung der Fußmaße wurden zunächst gleich große Männer- und Frauenfüße in den Größen EU 38-40 verglichen. Während es bei den Längendimensionen keine über mehrere Größen bestätigten Geschlechtsdifferenzen gibt, zeigen sich bei allen Breiten- und Höhendimensionen deutliche, zumeist signifikante Diskrepanzen. Frauen haben bei gleicher Fußlänge in den beobachteten Größen schmalere und flachere Füße als Männer. Frauen haben zudem im Mittel einen größeren Großzehenwinkel als Männer. In einem weiteren Schritt wurden die Füße in unterschiedliche Typen klassifiziert. Um einen Vergleich der Fußmaße über alle Größen zu ermöglichen, wurden diese zur Fußlänge normalisiert. Bei diesen relativen Maßen unterscheiden sich die Männerfüße von den Frauenfüßen nur geringfügig. Die mittleren Differenzen der Ballenlänge, Kleinzehenballenlänge und Spannlänge liegen zwischen 0.3 % und 0.6 % Fußlänge. Bei einer Fußlänge von 28 cm würde dies einer Differenz von 0.5-1.7 mm entsprechen. Die Erklärung für diese zunächst widersprüchlichen Befunde liefert ein weiterer Auswerteschritt. Hierfür wurden die Füße in unterschiedliche Fußtypen klassifiziert. In beiden Geschlechtern sind die breiten und hohen Füße insbesondere in den kleineren Größen zu finden. Lange Füße hingegen sind häufiger schmal und flach. Die zuvor dargestellten Geschlechtsdifferenzen in den Größen 38-40 beinhalten die großen, eher „normalen“ oder schmalen Frauenfüße und die kleinen, zum größten Teil voluminösen Männerfüße. Aus den genannten Ergebnissen lassen sich für eine frauenspezifische Laufschuhkonzeption folgende Konsequenzen ableiten, die zum Teil bereits in die aktuellen Laufschuhe der Fa. Nike eingeflossen sind: Durch das im Mittel geringere Gewicht und die geringere Laufgeschwindigkeit der Läuferinnen sollte ein Frauenlaufschuh flexibel und leicht sein. Hierzu werden zusätzliche Kerben in der Außensohle des Vor- und Rückfußes ergänzt. Gleichzeitig muss der Schuh jedoch hinreichend Stabilität bieten, da der Bewegungsablauf der Frauen im Geschlechtsvergleich größere Bewegungsexkursionen und größere Bewegungsamplituden vorweist. Durch eine verbesserte Zuggurtung des Schnürsystems im Mittelfußbereich kann sowohl die Stabilität, als auch die Passform verbessert und individuell reguliert werden. Weitere Elemente im Fersenbereich sollen die Pronationsbewegung kontrollieren. Da Männer- und Frauenfüße innerhalb einer Schuhgröße Unterschiede in den Weiten- und Höhenmaßen aufweisen, ist die Verwendung desselben Leistens für beide Geschlechter zu hinterfragen. Ein spezieller Frauenlaufschuhleisten bietet insbesondere im Bereich der Ferse hinreichend Halt. Spezielle Materialien im Bereich des Großzehen- und Kleinzehenballens lassen einen flexiblen Raum für den Vorfuß und das Großzehengrundgelenk. Der Leisten für die Herstellung des Schuhs ist wesentlich für die Passform verantwortlich. Er sollte den geschlechtsspezifische Anforderungen und den Anforderungen unterschiedlicher Fußtypen gerecht werden. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie sowie Folgeprojekte, die sich insbesondere mit der Passform der Schuhe beschäftigen werden, sollen hier weitere Impulse für die Umsetzung in das Produkt liefern.

von Dr. rer. soc. Inga Krauß


Pressemitteilung Women’s Running

Der Laufsport hat in den vergangenen Jahren zunehmend an Popularität gewonnen. Neben dem Leistungssport gewinnen vor allem die Volksläufe international und national an Bedeutung. Waren es Mitte der 70er Jahre vor allem Männer, die sich von diesem Trend haben mitreißen lassen, so überträgt sich die Laufsportbegeisterung in den letzten Jahren auch zunehmend auf die Frauen. Das Laufmagazin Runners World veröffentlichte Zahlen, wonach beim New York City Marathon im Jahre 1978 769 Frauen das Ziel erreichten. Im Jahre 1998 lag diese Zahl bereits bei 8952 weiblichen „Finishern“. Auch die Laufschuhindustrie hat diesen Trend erkannt und bietet zahlreiche Laufschuhe für Frauen an. Doch welchen Kriterien muss solch ein spezifischer Frauenlaufschuh gerecht werden? Dieser Frage wurde im Rahmen einer mehrjährigen Studie in der Biomechanikabteilung der Sportmedizin Tübingen nachgegangen. Dr. Stefan Grau, Leiter der Biomechanikabteilung und Projektleiterin Dr. Inga Krauß werden die Ergebnisse der Studie am kommenden Donnerstag vorstellen. Die Untersuchung richtete den Fokus auf unterschiedliche Bereiche der klinischen und biomechanischen Forschung. Neben einer orthopädischen Diagnostik, der Beurteilung der Achs- und Beweglichkeitsverhältnisse der unteren Extremität und der Erfassung verschiedener Trainingsparameter wurde die Laufbewegung beim Joggen mit einem Mehrkamerasystem im dreidimensionalen Raum analysiert. Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung lag auf der Beurteilung der Fußform. Hierfür wurden die Füße von mehr als 900 Frauen und Männer mit einem dreidimensionalen Scanner vermessen. Fasst man die Ergebnisse zusammen, so haben Läuferinnen im Vergleich zu Läufern klinisch ein vermehrtes Maß an ligamentärer Laxität, muskulärer Flexibilität und ein größeres Bewegungsausmaß in den Gelenken. In der Laufbewegung beugen Frauen Hüfte, Knie und Sprunggelenke mehr als Männer. Erst beim Abdruck vom Boden gleichen sich die Winkelverläufe der zwei Gruppen wieder an. Auch in anderen Bewegungsebenen gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede. Läuferinnen weisen eine zum Teil signifikant größere Adduktion im Hüftgelenk auf. In der Dynamik heißt dies, dass das Becken des Spielbeines stärker absinkt. Im unteren Sprunggelenk zeigen die Läuferinnen tendenziell eine größere Eversion, statistisch konnte diese aufgrund der großen Streuweite der Daten nicht gesichert werden. Bei der Auswertung der Fußmaße wurden zunächst gleich große Männer- und Frauenfüße in den Größen EU 38-40 verglichen. Während es bei den Längendimensionen keine über mehrere Größen bestätigten Geschlechtsdifferenzen gibt, zeigen sich bei allen Breiten- und Höhendimensionen deutliche, zumeist signifikante Diskrepanzen. Frauen haben bei gleicher Fußlänge in den beobachteten Größen schmalere und flachere Füße als Männer. Frauen haben zudem im Mittel einen größeren Großzehenwinkel als Männer. In einem weiteren Schritt wurden die Füße in unterschiedliche Typen klassifiziert. Um einen Vergleich der Fußmaße über alle Größen zu ermöglichen, wurden diese zur Fußlänge normalisiert. Bei diesen relativen Maßen unterscheiden sich die Männerfüße von den Frauenfüßen nur geringfügig. Die mittleren Differenzen der Ballenlänge, Kleinzehenballenlänge und Spannlänge liegen zwischen 0.3 % und 0.6 % Fußlänge. Bei einer Fußlänge von 28 cm würde dies einer Differenz von 0.5-1.7 mm entsprechen. Die Erklärung für diese zunächst widersprüchlichen Befunde liefert ein weiterer Auswerteschritt. Hierfür wurden die Füße in unterschiedliche Fußtypen klassifiziert. In beiden Geschlechtern sind die breiten und hohen Füße insbesondere in den kleineren Größen zu finden. Lange Füße hingegen sind häufiger schmal und flach. Die zuvor dargestellten Geschlechtsdifferenzen in den Größen 38-40 beinhalten die großen, eher „normalen“ oder schmalen Frauenfüße und die kleinen, zum größten Teil voluminösen Männerfüße. Aus den genannten Ergebnissen lassen sich für eine frauenspezifische Laufschuhkonzeption folgende Konsequenzen ableiten, die zum Teil bereits in die aktuellen Laufschuhe der Fa. Nike eingeflossen sind: Durch das im Mittel geringere Gewicht und die geringere Laufgeschwindigkeit der Läuferinnen sollte ein Frauenlaufschuh flexibel und leicht sein. Hierzu werden zusätzliche Kerben in der Außensohle des Vor- und Rückfußes ergänzt. Gleichzeitig muss der Schuh jedoch hinreichend Stabilität bieten, da der Bewegungsablauf der Frauen im Geschlechtsvergleich größere Bewegungsexkursionen und größere Bewegungsamplituden vorweist. Durch eine verbesserte Zuggurtung des Schnürsystems im Mittelfußbereich kann sowohl die Stabilität, als auch die Passform verbessert und individuell reguliert werden. Weitere Elemente im Fersenbereich sollen die Pronationsbewegung kontrollieren. Da Männer- und Frauenfüße innerhalb einer Schuhgröße Unterschiede in den Weiten- und Höhenmaßen aufweisen, ist die Verwendung desselben Leistens für beide Geschlechter zu hinterfragen. Ein spezieller Frauenlaufschuhleisten bietet insbesondere im Bereich der Ferse hinreichend Halt. Spezielle Materialien im Bereich des Großzehen- und Kleinzehenballens lassen einen flexiblen Raum für den Vorfuß und das Großzehengrundgelenk. Der Leisten für die Herstellung des Schuhs ist wesentlich für die Passform verantwortlich. Er sollte den geschlechtsspezifische Anforderungen und den Anforderungen unterschiedlicher Fußtypen gerecht werden. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie sowie Folgeprojekte, die sich insbesondere mit der Passform der Schuhe beschäftigen werden, sollen hier weitere Impulse für die Umsetzung in das Produkt liefern.


Stellenwert der Dehnung in der Wettkampfvorbereitung
Hendrik Heger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich III: Sportwissenschaft mit den Schwerpunkten Bewegungslehre, Biomechanik und Trainingslehre des Instituts für Sportwissenschaft in Tübingen. Als langjähriger Volleyballer gehört zu seinen Forschungsschwerpunkten der Einfluss von Dehnungmaßnahmen auf die Eigenschaften der ischiocruralen Muskulatur. Im Rahmen unseres diesjährigen Schwerpunktthemas wird er Infos rund um das Dehnen geben. Als Mitglied eines Teams möchten Sie zum erfolgreichen Abschneiden Ihrer Mannschaft beim Tübinger Staffellauf beitragen. Sie machen sich Gedanken, wie Sie sich auf die physischen Anforderungen, die der Staffellauf abverlangt, vorbereiten? Ich spreche nicht von einem regelmäßigen Training, das im Vorfeld absolviert wurde, sondern von der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung. Es besteht ein allgemeiner Konsens, dass man sich mit Blick auf eine sportliche Belastung erwärmt. Schon stellt sich die Frage, was zum Zwecke der Erwärmung durchgeführt werden soll und in welchem Umfang. Freizeitsportler, die Laufen als ihr Hobby betrachten, vertrauen in diesem Zusammenhang primär auf ihr subjektives Empfinden und auf die eigenen Erfahrungen, die sie im Laufe der Zeit sammeln. Nehmen die sportlichen Ambitionen zu und bekommt das Laufen einen Wettkampfcharakter, spielt das eigene Empfinden natürlich weiterhin eine Rolle, wenn nicht gar die wichtigste. Will sich der Athlet zukünftig verbessern, ist er neben eigenen auch an Erfahrungen und am Wissen anderer über seinen Sport interessiert. In diesem Bereich eröffnen sich Möglichkeiten für das Berufsfeld des Sportwissenschaftlers. Seine Aufgabe ist es, Wissen bereit zu stellen, zu systematisieren und zu begründen. Die oben gestellte Frage, welche Inhalte in die Erwärmung zu integrieren sind, soll hier am Thema Dehnung bzw. Stretching aufgegriffen und diskutiert werden. Die Dehnung der Muskulatur gehörte in den 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wie selbstverständlich zum Erwärmungsprogramm dazu. In den letzten Jahren wird Dehnung in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung differenzierter betrachtet und klar abgegrenzt von der Dehnung, die Entwicklung der Beweglichkeit dient und die Bewegungsreichweite in den Gelenken vergrößert. Die Frage, welche Länge die Muskulatur während der Wettkampfbewegung einnimmt und mit welcher Geschwindigkeit der Muskel kontrahiert, ist von entscheidender Bedeutung für die Einschätzung, ob Dehnung in der Erwärmung überhaupt eingesetzt werden soll und - wenn ja – mit welcher Dehnmethodik. In einer Sportart wie beispielsweise dem Turnen oder der rhythmischen Sportgymnastik, in denen Bewegungsreichweite einen leistungsbestimmenden Faktor darstellt, ist sowohl in separaten Trainingseinheiten die Beweglichkeit zu entwickeln als auch in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung eine große Bewegungsamplitude anzustreben. Es ist vor allem dann wichtig, wenn in der späteren Wettkampfbewegung entsprechende Gelenkpositionen abverlangt werden. Für einen geübten Turner bedeutet es in der Wettkampfvorbereitung ohnedies keinen großen Aufwand, eine einmal im Training entwickelte Bewegungsreichweite einzunehmen. In Schnellkraftsportarten wie zum Beispiel den Sprint- und Sprungdisziplinen der Leichtathletik, in denen hohe Kontraktionsgeschwindigkeiten leistungsbestimmend sind, ist besonders aufmerksam mit Dehntechniken in der Erwärmungsphase umzugehen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass vor allem (passiv) statisches Dehnen in Vorbereitung auf schnellkräftige Bewegungen leistungsmindernd wirken kann. Das heißt nicht, dass keine Dehnmaßnahmen in der Vorbereitung eingesetzt werden dürfen. So gibt es beispielsweise beim Hürdenlauf eine Kombination aus großer Bewegungsamplitude und hoher Bewegungsgeschwindigkeit speziell der ischiocruralen Muskulatur (Kniebeuge- bzw. Hüftstreckmuskulatur), die wesentlich zum Vortrieb beträgt. Anhand dieses Beispiels zeigt sich, dass Pauschalempfehlungen fehl am Platze sind und ein Sportler sich umso intensiver mit Trainingsinhalten und –methodiken auseinandersetzen muss, je weiter er in seiner Leistungsentwicklung fortschreitet. Trotz der Notwendigkeit einer individuellen Betrachtung ist eine Verallgemeinerung zulässig: In der Erwärmungsphase sollten Dehnungen bezüglich Dauer und Umfang im Vergleich zu einer Trainingseinheit zur Entwicklung der Beweglichkeit deutlich reduziert werden. Welche Bedeutung kommt der Dehnung in der Vorbereitung einer Ausdauerleistung wie dem Laufen zu? Die ischiocrurale Muskulatur liefert auch hier wie beim Hürdenlauf einen wesentlichen Beitrag zum Vortrieb. Die Änderung der Muskellänge innerhalb eines Bewegungszyklus ist allerdings geringer. Bei niedriger bis mittlerer Laufgeschwindigkeit findet die Bewegung im Hüftgelenk im mittleren Bewegungsbereich statt. Maximale Beugung wird auch bei sehr unbeweglichen Sportlern nicht erreicht. Wie weit sich der Läufer im hinteren Stütz der Bewegungsgrenze der Streckung annähert, hängt von der Laufgeschwindigkeit und der Lauftechnik ab, sollte aber bei normaler Beweglichkeit keine Einschränkung darstellen. Die Nutzung großer Bewegungsreichweiten und Bewegungsgeschwindigkeiten sind demnach nicht vordergründig leistungsbestimmend. Das heißt, dass bei der Erwärmung vor dem Laufen die Dehnung eine untergeordnete Rolle spielt. Die Vorbereitung des Körpers auf eine Ausdauerleistung, d.h. die Anregung des Stoffwechsels und der inter- und intramuskulären Koordination durch Maßnahmen wie Einlaufen, Ausführen von Elementen des Lauf-ABC und Steigerungsläufen ist von größerer Bedeutung als das Dehnen. Ein wichtiger Aspekt wurde in der bisherigen Betrachtung noch nicht berücksichtigt. Neben den physischen Voraussetzungen spielt auch die psychische Vorbereitung eine wichtige Rolle. Abläufe zur Vorbereitung sportlicher Höchstleistungen können ja geradezu ritualisiert und deren Umstellung oder Veränderung als belastende Situation empfunden werden. Wenn also Dehnung schon immer Teil Ihres Aufwärmprogramms war und Sie das subjektive Gefühl entwickelt haben, dass Dehnen eine positive Wirkung entfaltet, weil gerade durch die Dehnung die Muskulatur auf einfache Art und Weise zu spüren ist, spricht nichts dagegen, es auch weiterhin einzusetzen – wie gesagt, in entsprechend angemessenem Umfang. Das Fühlen der Muskulatur durch das Setzen neurophysiologischer Reize stellt den wesentlichen Inhalt eines Dehnungstrainings dar. Durch die Verlängerung der Muskulatur beim Dehnen bis an die Bewegungsgrenze und darüber hinaus werden die entsprechenden Muskelsensoren mit dem Ziel angesprochen, deren Reizschwelle zu verschieben, so dass zukünftig größere Gelenkwinkelpositionen eingenommen werden können. Die morphologischen Eigenschaften der Muskulatur, die sich unter anderem messbar durch die Lage der Muskelruhelänge und dem passiven Spannungs-Dehnungs- Verlauf ausdrücken, werden nicht oder nur in geringem Maße durch Dehnungstraining beeinflusst. Die Lage der Muskelruhelänge, die die Position des optimalen Überlappungsgrades der Myofilamente widerspiegelt, wird nicht durch Dehnungstraining verändert, sondern von dem Gelenkwinkelbereich beeinflusst, in dem der Muskel die meiste Arbeit zu verrichten hat. Aus funktioneller und ökonomischer Sicht ist dieses Verhalten sinnvoll. So befindet sich beispielsweise beim Ausdauerlauf der Arbeitsbereich der ischiocruralen Muskulatur im mittleren Gelenkbereich und genau in diesem Abschnitt sind Kontraktionen um den optimalen Überlappungsgrad der Myofilamente bzw. um die Muskelruhelänge erwünscht. Dieser optimale Arbeitspunkt soll auch bestehen bleiben, wenn durch Dehnungstraining eine größere Bewegungsreichweite erzielt wird. Das Spannungs-Dehnungs-Verhalten der Muskulatur wird hauptsächlich durch den Muskelquerschnitt bestimmt, der wiederum durch Krafttraining entwickelt wird. Je nach Art der sportlichen Tätigkeit und Trainingszustand kann auch ein Dehnungsprogramm einen krafttrainingsähnlichen Reiz setzen und entsprechend den Spannungs-Dehnungs-Verlauf hin zu einer im Vergleich zum Ausgangszustand erhöhten passiven Steifigkeit verändern. Die passive Steifigkeit der Muskulatur lässt keine Rückschlüsse auf die Bewegungsreichweite zu. Es können zum Beispiel in einem Trainingsabschnitt Kraft- und Dehnungstrainingseinheiten in geeigneter Art und Weise kombiniert werden. Durch die Krafttrainingseinheiten wird der Muskelquerschnitt erhöht und durch die Dehnung werden parallel die Reizschwellen der Muskelsensoren beeinflusst, so dass neben dem Zuwachs an Kontraktionskraft in größeren Gelenkwinkelpositionen größere Dehnungsspannungen tolerieren werden. Diese Betrachtung schließt ein, dass die gern und häufig getroffene Einschätzung „der Muskel sei verkürzt“ durch alleinige Messung der Bewegungsreichweite unzulässig ist. Eine Aussage über die Länge ist nur möglich, wenn die (aktive) Kraft- Längen-Kennlinie des Muskels und damit die Lage der Muskelruhelänge bestimmt wird. Lediglich die Dehnfähigkeit einer Person, die im Verhältnis zu einer Vergleichsgruppe eine geringere Bewegungsreichweite aufweist, ist eingeschränkt und kann natürlich durch Dehnungstraining verbessert werden. Nach diesem kompakten Ausflug zu den Wirkungen eines Dehnungstrainings auf die Muskulatur und dem Stellenwert der Dehnung in der Erwärmung, wünsche ich einen gut vorbereiteten, verletzungsfreien und erfolgreichen Staffellauf. Mit sportlichen Grüßen, Hendrik Heger